„Ich schlafe fünf Stunden und komme gut damit klar.“ Diesen Satz hört man in Führungskreisen oft. Die Forschung sieht das anders und die Konsequenzen betreffen nicht nur die Führungskraft selbst, sondern das ganze Team.
Was Schlafmangel wirklich kostet
Ein systematisches Review aus 25 peer-reviewed Studien (MDPI Behavioral Sciences, 2025) zeigt: Schlafmangel, ob teilweise oder vollständig, beeinträchtigt die Entscheidungsfähigkeit messbar. Besonders betroffen sind Risikoabwägung und Urteilsvermögen. Wer übermüdet ist, trifft häufiger riskantere Entscheidungen und das oft ohne es zu merken.
Dazu kommt: Schlafentzug erhöht emotionale Reaktivität. Gereiztheit, weniger Empathie, geringere Fähigkeit zu motivieren, alles Qualitäten, die im Führungsalltag täglich gefragt sind und durch Schlafmangel direkt leiden.
Schlaf als Führungsthema
Was viele unterschätzen: Schlafgewohnheiten strahlen aus. Führungskräfte, die Schlaf als Schwäche behandeln oder Erholung nicht vorleben, setzen eine Norm und Mitarbeitende richten sich daran aus. Wer hingegen offen kommuniziert, dass ausreichend Schlaf zur eigenen Leistungsfähigkeit gehört und dass Mails nicht zur späten Stunde noch beantwortet werden, gibt dem Team die Erlaubnis, das gleich zu handhaben.
Was konkret hilft
Die Forschung empfiehlt 7–9 Stunden Schlaf für Erwachsene. Das ist kein Richtwert, sondern ein physiologisches Minimum für volle kognitive Leistung. Was die Schlafforschung darüber hinaus klar belegt:
- Feste Schlaf- und Aufwachzeiten, auch am Wochenende. Das ist die wirkungsvollste einzelne Massnahme. Unregelmässige Schlafrhythmen stören den zirkadianen Rhythmus stärker als kurze Nächte.
- Kein Koffein nach 14 Uhr. Koffein bleibt bis zu 8 Stunden im Blut aktiv und verzögert den Einschlafprozess, auch dann, wenn man es nicht mehr spürt.
- Morgens Tageslicht, abends Dunkelheit. Helles Licht in der ersten Stunde nach dem Aufwachen stabilisiert den Rhythmus. Bildschirme und helles Licht am Abend hemmen die Melatoninausschüttung.
- Mindestens eine Stunde vor dem Schlafen keine Bildschirme. Einer der am stärksten belegten Tipps der Schlafhygieneforschung.
- Mittagsschlaf: maximal 20 Minuten, nicht nach 14 Uhr. Längere oder spätere Nickerchen beeinträchtigen den Nachtschlaf, kurze können kognitive Einbussen teilweise kompensieren, ersetzen ihn aber nicht.
Fazit
Schlaf ist kein Nice-to-have. Er ist die Grundlage für klares Denken, emotionale Stabilität und gute Entscheidungen. Alles, was gute Führung ausmacht.
👉 Wer sein Team gut führen will, fängt damit an, sich selbst gut zu führen.
#Schlaf #Leadership #Wohlbefinden #Produktivität #Selbstführung #EckertSeminare #Führungskultur
Quellen: ¹ Examining the Effects of Sleep Deprivation on Decision-Making: A Scoping Review – MDPI Behavioral Sciences, 2025: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12189852/ ² Sleep Hygiene: Foundations, Implications, and Strategies – Sleep Science and Practice, Springer Nature, 2026: https://link.springer.com/article/10.1186/s41606-025-00151-w
Xing
LinkedIn
facebook